18.10.2007

Weltraumsarkophage, Revolutionäre Zellen und das Zeitalter der Transparenz

Das Medienfestival „Die Elektrifizierung der Gehirne“ geht in die letzte Runde

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Mit Andrei Ujicas epochalem Film „Out of the present“, der Premiere von “Hölle Hamburg” und einer exklusiven neuen Ausgabe der Microscope Sessions erwartet die Besucher des Festivals in der Motorenhalle vom 26.10.-3.11. ein fulminantes Finale.

Eröffnen wird den Reigen am 26.10. ein Vortrag des bekannten Medientheoretikes und Chefredakteur des Online-Magazins Telepolis, Florian Rötzer, zum Konfliktpotential vernetzter Gesellschaften. Digitale Transparenz, subversive Formen von Gegenöffentlichkeit werden dabei eine wichtige Rolle spielen als Teil eines mit neuester Technologie „bewaffneten“ „Stream of Consciousness“.

Um eine mentale Reise ganz anderer Art geht es in Andrei Ujicas „Out of the present“, einem der wichtigsten Dokumentarfilme der 1990er Jahre. Ujica konnte für den Film exklusiv auf die Bordaufnahmen der letzten sowjetischen Weltraummission zurückgreifen, auf jene Bildspuren einer Odyssee, in deren Verlauf der Kosmonaut Sergej Krikalev als erster Mensch einen Epochenumbruch aus göttlicher Perspektive miterlebt: das Ende der Sowjetunion. Ujicas Film, obwohl nahezu vollständig aus Fremdmaterial montiert, wurde bereits in eine Reihe gestellt mit Klassikern des Weltraumfilms wie „Solaris“ und Stanley Kubricks „2001“. Der Regisseur und heutige Leiter des Filminstituts des ZKM in Karlsruhe wird am 27.10. anwesend sein.

Den Russen, speziell den Heroen des Konstruktivismus, erweisen auch Ted Gaier („Die Goldenen Zitronen“) und Peter Ott cineastische Ehren. Ihr Film „Hölle Hamburg“ wird wenige Tage nach der Deutschlandpremiere bei den Hofer Filmtagen in Dresden zu sehen sein.
Agit-Prop, Trance-Techniken, Geschichten von revolutionären Zellen im Hamburger Hafen und eine raffiniert gewebte Tonspur gehen in diesem Experimentalfilm eine wundersame Melange ein, die sich ausnimmt wie Eisenstein unter LSD. Oder um es in den Worten der Autoren zu sagen: Die russische Avantgarde „betritt die Gegenwart als Wiedergänger, als Untoter, der mit der absurden und notorischen Realität, in der du lebst, noch eine Rechnung offen hat.“ (Termin: 31.10. – beide Regisseure werden anwesend sein.)

Last but not.... Am 3.11. verabschiedet sich das Festival mit einer Finissage in Kooperation mit der Transmedia-Akademie Hellerau.
Microscope Session: tekknologik begibt sich noch einmal auf die Spuren jener politisch-technizistisch aufgeladenen Utopie im Russland der 1920er Jahre. Eine neue Generation von Techno-Visionären und visuellen Ingenieuren experimentiert entlang der neuen Schnittstellen von Mensch und Maschine mit elektronischen Sounds, virtuellen und realen Bildern, Bits und Bytes. Dabei werden unsichtbare bzw. verdeckte Bild- und Gedächtnisspuren zu Tage treten – eine kleine Reminiszenz an den Kinovisionär Dziga Vertov und dessen Utopie einer Kunst des „vollendeten, elektrischen Menschen“.

Termine:

26.10. Das Zeitalter der Transparenz, Vortrag von Florian Rötzer, 19.30 Uhr Motorenhalle
27.10. Vortrag + Film "Out of the present" (BRD 1995, R.: Andrei Ujica )
Einführungsvortrag und Filmgespräch mit dem Filmemacher Andrei Ujica, 20 Uhr Motorenhalle
31.10. Film "Hölle Hamburg" in Anwesenheit der Regisseure Peter Ott und Ted Gaier (Goldene Zitronen)
(BRD 2007, Regie: Peter Ott, Ted Gaier), 20 Uhr Motorenhalle
3.11. microscope session :: tekknologik, 19.30 Uhr, Motorenhalle

Mit den besten Grüßen,

Adina Schütze
Öffentlichkeitsarbeit

Mail: oea_projekte@riesa-efau.de
Tel: 0172/7726684

riesa efau - Forum für Kunst und Gesellschaft
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